Teil 1:

Es gibt Tage im Leben,da sitz man auf seinem Bürostuhl und fragt sich,ob es das dann nun gewesen ist. Sollten Exceltabellen und gewöhnungsbedürftig programmierte neue Betriebssysteme von Bill Gates wirklich den Alltag bis an das Lebensende bestimmen?

Aber zusätzlich bedarf es dennoch eines Ausgleiches. Im deutschen Sprachgebrauch auch gerne als „Hobby“ bezeichnet. In unserem Fall fiel „Lesen,Reiten und Fahrradfahren“ allerdings raus. Einerseits aufgrund mangelnder körperlich und geistiger Fitness,anderseits aufgrund unserer überaus ausgeprägten Affinität zu Tönen und solchen, die es noch werden wollen…

So beschlossen wir dieser Tristesse unseres Seins zu entfliehen um uns der Erhaltung unserer musikalischen Ergüsse für die Nachwelt zu widmen.
Unsere Freunde aus der Gosse nennen dies auch schlicht „Ins Tonstudio gehen“.
Pascal sagt dazu „Lass mal recorden gehn“…
…wir vergeben ihm allerdings großzügig diesen Mangel an Eloquenz. Kann ja nicht jeder so gut schwätze wie mir…

Jedenfalls war da der Dienstag. In der Regel kein guter Tag für eine Probe. Zum einen, weil das Wochenende noch in den Knochen steckt und zum anderen weil das nächste Wochenende noch in weiter Ferne liegt.

Ungeachtet dessen probten wir also an jenem Dienstag. Noch während der letzte Ton (vermutlich ein D…) erklang, begannen wir unsere Autos mit dem mühsam zusammengesparten Equipment zu beladen.

Denn es war so weit.. Am Mittwoch wurde die erste Abordnung von JoyBecameClear nach Ulm (Türkheim… jop…) geschickt.Diese Vorhut waren David und Covic. Besser bekannt als David und Covic.

Drums und Bass wollten eingespielt werden. Dies geschah dann auch am Donnerstag, da ja abends erst noch eine Flasche Jacky geleert werden wollte…

Dies kann ich als temporärer Erziehungsberechtigter zwar nicht unbedingt gutheissen, aber aufgrund diverser äußerer Umstände toleriere ich dies.

Das komische Geräusch auf Covics Kopfhörern erklärte uns der nette Mischer als „klick“, welcher Musikern in der Regel dazu verhilft im Takt zu bleiben. Was WIR dann damit sollten war uns ein Rätsel… aber gut… so gehört sich das eben.

Nach einigen Takes (so nennt man die Zeit zwischen dem „Jetzt“ und dem „hhmmm näääeee, nochmal“ des Mischers) war es dann soweit und der Drumsound war im Kasten.
Apropos…. genau… danach gab es einen Kasten Bier als Belohnung.

Pascal stieg natürlich fleißig mit ein, um zu dritt David auf seinen Aufnahmtag vorzubereiten.

Nachdem er sämtliche Gehirnfunktionen resettet hatte war er also bereit für das Einspielen des Basses.

Ein Bass ist übrigens der kleine dicke und etwas zurückgebliebene Bruder der Gitarre. Er hat nur 4 Saiten und ein Großteil der greifbaren Töne klingt gleich, aber dennoch ist dieses Instrument (…hm… dieser Bass) relativ wichtig, sowohl im Studio als auch auf der Bühne. David zum Beispiel nutzt diesen Bass auch als Fitnessgerät um sich bei Auftritten auf der Bühne für die Aftershow warm zu machen… Garnichtmal so dumm..

Nach den süßen Klängen des Basses hatte dann auch endlich Pascal seinen großen Auftritt. Mit geölten Fingern und frisch gebleichter Haut betrat er als nächstes die heiligen Hallen des Tonstudios. Unser Mischer machte das Licht aus und stellte den Kontrast seiner Monitore herunter. Pascal leuchtet nämlich im Dunkeln.
Da die anderen keine Sonnencreme dabei hatten war ein feiner Sonnebrand natürlich vorprogrammiert… Dass das nicht gesund ist wissen wir. Aber laute Musik, Alkohol und Buschbrände sind es auch nicht.

Pascal strahlte also gekonnt die heißen Riffs der Songs ab. Danach spielte er die Töne unserer eigenen Songs, was der Mischer wiederum als Chance nutze den „Record“-Button zu betätigen. Dieser Button war früher auch auf Kassettenrecordern vorhanden und musste zusammen (also GLEICHZEITIG) mit der “Play-Taste“ gedrückt werden. So konnte man seine Lieblingssongs mit Wettervorhersagen und Verkehrsmeldungen auf Kassetten verewigen.
Dieser Button war an dem Rechner des Mischers etwas anders und auch mit sonderbaren Funktionen unterlegt. Zum Beispiel klang alles irgendwie geil. Diesen Knopf hatten wir bisher noch nie gefunden. Aber er hat das ja auch gelernt mit dem Knopf. Ein Tausendsasser

 

 Teil 2:

Freitag zu ende. Drums, Bass, Gitarre1 – Check!
Zwischenzeitlich ist auch Doug im Studio eingetroffen. Er ließ sich das Bankett aus frisch in Flaschen abgefüllten Gerstenbräus natürlich auch nicht lange schmackhaft machen.
Somit waren nun also alle Anwesenden auf „Musikerlevel“.
Samstag morgen… der Wecker klingelte um 8 Uhr. Jetzt war es dann auch Zeit für den Jul einen von Berglandschaften geprägten Weg in Richtung Tonstudio anzutreten.
Dort angekommen begrüßten wir uns mit den einstudierten Ritualen und Doug spiele bereits professionell seine Gitarrenparts in den Computer des Tonstudioinhabers.
Natürlich braucht man auf einer guten Aufnahme auch dringend eine Divebomb. Diese wurde mithilfe mehrerer Schraubenzieher, die man in die Gitarre bohrte und diese bis zum Bersten verbog, erledigt.
Doug machte seinen Job, wie gewohnt, sehr zuverlässig und professionell.
Auch das Einspielen der Gitarre machte er so in der Art. Als alter KfZ-Chirurg kann er ja bekanntermaßen gut mit Frauen umgehen. Wer dies nicht glaubt, klaut ihm einfach sein Handy…

Noch ganz betört von dem Erfindergeist der Instrumentalsektion machte sich dann auch der Jul bereit für die Kopfhöhrer. Also Plugs raus, Mütze auf, Oberschenkel dehnen und eine leckere Mischung aus GeloRevoice, Japanischem Heilöl und sonstigen allergiehemmenden Pharmazeutika einverleiben… Ready to go.

Gesang ist ähnlich wie Gitarre. Nur, dass man kein Stimmgerät dafür hat und dass man die Saiten öfter wechseln sollte. Jedenfalls folgte ein Marathon der Töne und Melodien.
Die ersten beiden Songs waren bereits nach 12 Stunden im Kasten. Die Stimme im Eimer. Die Stimmung auf dem Zenit. Also schnell zusammen betrunken und dann die Gangvocals eingerufen.
Gangvocals sind, für Laien erklärt, eine Art Fussballhymne ohne Melodie. Man stellt sich in Gruppen von 100-10000 Menschen vor ein Mikrofon und brüllt diverse Worte. Diese schmiegen sich dann am Ende gekonnt in das Gesamtkonzept des Songs.
…Echte Krieger aus Sparta wissen wie das klingen muss.

Die Uhr schlief bereits auf halb 5 und so musste natürlich noch ein Mitternachtssnack her. Dieser ließ sich auch ganz einfach in einem Wasserkocher zubereiten.
Glücklich und zufrieden schliefen wir danach auf einer Couch und einer kaputten Luftmatratze von Doug ein.

Alles in Allem war dies irgendwie wie Urlaub. Nur ohne Meer und kulinarische Spezialitäten. Und ohne Bett und so. Irgendwie auch ohne Urlaub, aber es war cool.
Sowas werden wir jetzt öfter machen.

Eure JBC-Hitgiganten