Manchmal dauert es einfach etwas länger, bis man wieder einigermaßen normal im Kopf wird. Dies trifft natürlich auf nichts besser zu, als auf die Faschingszeit.
Hierbei hat es sich ja gesellschaftlich etabliert, dass man sich Anfang des Jahres einfach mal eine Woche lang die Lichter ausballert. In diesem Jahr sollte dies alles etwas anders für uns sein.
Keiner von uns konnte es so richtig fassen, aber wir wurden gerade für zwei Shows als Support von Falling in Reverse gebucht.
Falling in Reverse ist für uns als ehemalige Seitenscheitel-Schrei-Sing-Band natürlich eine ziemlich große Hausnummer. Nicht nur der Ronnie als Rampengeneral, sondern auch die Vergangenheit bei Escape the Fate und nicht zuletzt seine sympathische, leicht kriminielle, Vergangenheit ließen uns erstmal den Kiefer offen stehen.
Wir durften wirklich unsere Jugendhelden supporten….
(Zeitsprung)
…Covic und David kehrten gerade von einem Entzug auf dem Mars zurück, als der mittlerweile 18 mal verheiratete Dougie gerade seinen 54sten Sohn kennenlernte. Pascal war noch etwas platt von den Medikamenten, die er seit 45 Jahren regelmäßig offiziell testet…
(der Zeitsprung ging jetzt dann doch etwas zu weit… wieder paar Jahre zurück. Wir schreiben das Jahr 2015.)

Valentinstag 2015. Ein Großteil unserer Freunde und Bekannten befand sich bereits im alljährlichen Delirium aus Trockenfarbe, lauter Mallorca-Bums-Musik und natürlich diversen KO-tropfenhaltigen Getränken. Fasching. Für uns hieß es in diesem Jahr jedoch „Du bist nicht du wenn du hungrig bist“.
Also fuhren wir mit einem schönen Bus vom „Team Mannheim“ nach Karlsruhe, wo wir zu allererst ehrfürchtig vor dem Falling in Reverse Nightliner zusammenklappten.
Darin sollte er also sitzen und plante vermutliche neue Anti-Drogen-Kampagnen oder schrieb Songs über sich und sein schweres Leben (aber hey.. er ist halt so. Auch noch the other day…usw.. )  … dieser Ronnie. Wir waren gespannt, ob er seinem Ruf gerecht werden konnte. Bisher nicht. Bisher war er nur im Bus (dass er in Wirklichkeit gerade mit seiner Uschi und dem Bodyguard in Karlsruhe rumtingelte wussten wir bis dahin nicht. Schließlich gingen wir ja davon aus, dass FIR gleich ihren Soundcheck machen.)

Wir also schön am Ausladen und Leute begrüßen, als wir feststellten, dass sich bereits jetzt die ersten Menschen vor dem Eingang sammelten. Wir kannten das nur von TokioHotel-Konzerten auf denen wir regelmäßig vor den Backstage-Eingängen campierten….
Dass es auch hier nicht wegen uns war, war klar. Aber dennoch sah das echt gut aus und lies die Vorfreude in den Nebenhoden kochen.

Soundcheck FIR… kein Ronnie weit und breit in Sicht. Die Band, die im übrigen aus abartig talentierten Musikern bestand, machte diesen Soundcheck ausgiebig und fein. Das fehlen des Frontman kompensierten alle ohne Probleme und wenn wir es nicht gewusst hätten, hätten wir glatt vermutet, dass der Ronnie garnicht alleine 5 Stimmen singt…
Der Basser sang jedenfalls 153 Oktaven über Null und auch der Drummer Ryan hatte ein Goldkehlchen mit bösen Geistern drin. Die 35 Finger, mit denen der Gitarrero die Tonleiter hoch und runterfiedelte bewegten sich so schnell, dass nichtmal Marcel Reif diese in Zeitlupe hätte kommentieren können.

Gut, wir waren dann mal wieder ein bisschen platt, aber nach wie vor etwas… ja ein klein wenig,… NERVÖS. Dies lag halt vor allem daran, dass wir auch gerne mal unseren Soundcheck machen wollten. Ich mein… das Substage ist groß, die Bühne auch und die Anlage drückt einem den Bauchnabel durch das Rückgrat… Von daher wussten wir, dass die Eingangstüren um 19 uhr geöffnet werden wollten… Es war mittlerweile 18:30 Uhr und wir hatten noch nichtmal die Bühne betreten dürfen. Egal, wir sind ziemlich pflegeleicht und haben das mit 1-2 Bier akzeptiert.
Als es dann endlich auch für uns losging, hatten wir keine Grenzen mehr. In Weltrekordzeit absolvierten wir unseren Aufbau inkl. Soundcheck in 19 Minuten. Das ist für Schlagzeug, Sampler, 3 Gitarren, Bass und 4 Vocals eine ziemlich akzeptable Zeit. Alles gut soweit. Schleußen öffnen.

Wir machten es uns dann kurz in unserem Backstagraum gemütlich. Dieser hatte 4 Wände, ein Kleiderhaken, eine Decke und eine Tür. Außerdem war er mit 4 Stühlen aufgepeppt.
Mehr war da nicht. OK, da wir zu 5t sind haben wir uns halt die Stühle geteilt, aber das kann man ja dort nicht wissen. 🙂
Wir durften uns dann aber vom herrlichen Buffet bedienen, welches in der extra für FIR gebauten Küche für sie und ihre Crew zubereitet wurde. Das war sehr lecker und wir fühlten uns schon wie kleine Rockstars… Kulinarisch waren wir befriedigt.

Ui, 20 Uhr.. .Stagetime… Wir so „Yeah yeah“ , „you’re the voice ohhoohohoooo“, „danke. danke danke“ … und voll am abgehn und grinsen und freuen.
Setliste durch, Zugabe spielen dürfen, nassgeschwitzt – erfolgreich.
Viel mehr können wir dazu nicht schreiben, da es uns sonst den Tisch vors Gesicht hebt… Es war einfach unbeschreiblich geil. Hammer Publikum, super Bühne und Vorfreude auf FIR.
Mittlerweile hat uns auch der Ronnie mit seiner Aura verzaubert. Er betritt den Raum und es wird still… Naja, was erwartet man von einem Mitglied der Top50 der „Greatest Rockstars alive“? …gut, Hotelzimmer verwüsten und so… aber wir glauben das hat er hinter sich. Er wirkte friedlich und brüllte nur kurz das Essen an.

Wir feierten noch ein wenig die grandiose Show von FIR ab und begaben uns dann ganz rockstarmäßig so um 23 uhr nach Hause ins Bett.
Wir wollten ja am nächsten Tag fit sein für Köln.

Sonntag, 15.02.2015: Morgens halb 10 in Deutschland. Erstmal den Hammer weglegen….
Erledigt. Der Bus war gottseidank noch prall mit unserem Equipment gefüllt, wodurch wir uns die unnötige Ein- und Ausräumaktion sparen konnten. So warteten wir also nur noch auf den Ben von Fathead, der uns bei den Gigs als Mutter Theresa begleitete. Ja, auch wir brauchen eine starke Schulter an der wir uns ausweinen können… für uns reichte aber auch der Ben.
Los gehts – Abfahrt…. Faschingssonntag und wir fahren nach Köln… Sehr verrückt.

Dort angekommen erwartete uns ein ähnliches Spiel… Soundcheck kurz vor Opening, aber egal. Mittlerweile konnten wir beim Soundcheck von FIR ja bereits mittanzen und kannten auch die Songs des Mischers bereits auswendig.
Auch hier haben sich schon mittags viele Leute vor den Toren versammelt, was uns die Nervosität nicht unbedingt nahm..

Stagetime- Fuck, was ist denn das? Der Laden mal wieder voll, die Leute superklasse… Wir wussten garnicht richtig wie uns geschah, als wir jeden Song brav applaudiert bekamen… Das hatten wir nicht erwartet. Als Vorband hat man normalerweise ja hauptsächlich die Aufgabe bis zum Schluss durchzuhalten, ohne ein paar Bierkisten am Kopf zu haben… Hier war es anders. Wir passten scheinbar recht gut zur Zielgruppe von FIR. Dougie referierte auf der Bühne noch einige Sätze über seine Brustwarzen, dann gingen wir verschwitzt in unseren Backstageraum und ließen uns einige bier schmecken. An diesem Abend war unser Backstageraum richtig klasse. Wir hatten sogar genügend Sitzmöglichkeiten. Leider nicht genügend Bier. Da FIR ihre Show mittlerweile erfolgreich absolviert hatten gingen wir kurzerhand zu ihnen rüber und fragten höflich nach einem Bier.
Natürlich blickten wir keinem der Anwesenden in die Augen und selbstverständlich stellten wir die Frage mit gesenktem Kopf und kniend. Und englisch.
Ein bekannt klingendes „Of Course, take two or three…“ erheiterte uns in kürzester Zeit. Der Ronnie verschenkt sein Bier. Der muss es ja haben… alter Angeber 🙂
Somit waren wir jedenfalls offiziell in ihrem Backstageraum eingezogen und hatten noch einige lustige Gespräche und genauso lustige Getränke mit der ganzen Truppe.
Leider hat Köln in diesem Viertel um kurz vor 4 uhr nichtmehr allzuviel zu bieten, weshalb wir noch kurz unseren betrunkenen Pascal in den Nightliner der Rocker stellten.
Gut, dass der Durchgang im FIR-Nightliner nicht allzubreit ist, sonst wäre der allzubreite Pascal wohl umgefallen…
Unser lieber Ben hatte sich an diesem Abend freiwillig als Fahrer gemeldet, was ihm spätestens jetzt ein bisschen auf die Eier ging. Also fuhr er uns zum Hotel wo wir begannen unser Hotelzimmer zu verwüsten.
Covic steckte einen Karton eines Sixpacks oben aufs Bett und David lies einen Kronkorken auf den Boden fallen… Dann haben wir den Wasserhahn kurz aufgedreht und den Föhn eingeschaltet. Brutal Rockstar einfach…. Tja, damit muss so ein Hotel nunmal rechnen, wenn Weltstars wie wir dort einmarschieren. Aber hey… so muss man das machen, haben uns die Jungs vorher beigebracht.
Am nächsten morgen haben wir den Kronkorken und das Stück Karton aufgeräumt. Das Rockstar-Ding war ja jetzt irgendwie schon wieder vorbei.

Wir fuhren 1203 Stunden heim und gingen duschen. Es war schön. Nee… es war genial… Hmm…. eigentlich auch nicht. ES WAR GIGANTISCH. Wir warn stolz wie Filzläuse in Prag und konnten unser Glück garnicht fassen. Soviele CDs und T-Shirts verkauft. Soviele neue Fans kennegelernt und dazugewonnen. Ronnie Radlader und seine Boys kennegelernt. Im Substage gespielt. In Köln gespielt… Wir waren sowas von happy, dass wir beschlossen weiterhin zusammen Musik zu machen.
Daumen hoch ihr alle!

Eure Lieblingsvorband